Portrait JTG

von Donau TV

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Schulbroschüre

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Termine

09.07.2018

Sommerkonzert

10.07.18 - 12.07.18

Probentage US-Theater

12.07.2018

14:30 - 16:00 Begegnungsnachmittag neue Fünftklässler

19:00 Unterstufen-Theater

16.07.18 - 20.07.18

Betriebs-/Sozialpraktika (10. Jgst.)

20.07.2018

Dies Latinus - 6. Klassen

20.07.18 - 25.07.18

Tönning-Fahrt (7. Jgst.)

26.07.2018

Mannschaftsspieletag

27.07.2018

Ausgabe der Jahreszeugnisse u. Zeugnisse über AA 11/2

 

Natur & Umwelt machen Schule

logoumweltschule

MINT-freundliche Schule

Mint Symbol

Aktuelle Situation

In ihrer jetzigen Form wird das Potential der Bibliothek nur unzureichend ausgeschöpft. Schüler und andere Besucher, vor allem am Tag der Offenen Tür, sind immer wieder begeistert von den alten Buchbeständen und lassen sich von der „Aura von Hogwarts“, die die Bibliothek ausstrahlt, gefangen nehmen. Im Schulalltag werden auch immer wieder größere Projekte mit Schülern durchgeführt, die nicht nur historische Erkenntnisse aus erster Hand vermitteln, sondern oft auch den Grundstein für eine dauerhafte Bibliophilie bilden. Ein echter Publikumsverkehr kann aber aufgrund der unzureichenden Erschließung des Buchbestandes derzeit nicht stattfinden.
Der einzige Ausweg wäre hier die digitale Erfassung des rund 11000 Bände umfassenden Buchbestandes und seine Präsentation im Internet – am besten im Rahmen des Bibliotheksprogramms der Staatlichen Bibliothek Passau. Nur so kann Lehrern, Schülern, Studenten sowie einer interessierten Öffentlichkeit ein genauer Überblick und gegebenenfalls ein schneller Zugriff auf diesen Bücherschatz ermöglicht werden. Wir sind überzeugt, dass dies in der Schulstadt Straubing auf große Resonanz stoßen würde, zumal in unmittelbarer Nähe zur Bibliothek das Straubinger Wissenschaftszentrum entstanden ist, in dem sich die ersten Studenten eingeschrieben haben. Auch die bisher eher mühsame Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv, mit den regionalen Museen, aber auch mit Universitäten, die bei uns immer wieder Anfragen stellen, würde sich durch die digitale Erfassung sehr vereinfachen.
Zudem befinden sich in der Bibliothek viele bedeutende Werke, die auch für die überregionale Forschung von Interesse sein könnten.
Insgesamt wäre die Digitalisierung des Buchbestandes wohl von einer entsprechend geschulten Halbtagskraft in zwei Jahren zu bewerkstelligen. Wir hoffen auf die Finanzierung eines solchen Projekts durch die Bayerische Staatsbibliothek, unter deren Verwaltungshoheit unsere Bibliothek steht.

Zur Geschichte der Bibliothek

Den Grundstock der Bibliothek bildet die 1631 gegründete Bibliothek des Jesuitenkollegs, aus dem unsere Schule hervorgegangen ist. Dieser Kernbestand ist heute noch leicht erkennbar an den weißgekalkten Buchrücken und der einheitlichen Signatur der Jesuitenbibliotheken. Den entscheidenden Zuwachs erhielt die Bibliothek aber durch die Säkularisation: In die 1803 gegründete Provinzialbibliothek, die seither von Lehrern des Gymnasiums geleitet wird, wurden aus den aufgehobenen Klosterbibliotheken der Region die Buchbestände überführt, die weder für die Hofbibliothek in München noch für die Universitätsbibliothek in Landshut tauglich erschienen. So erhielt die Bibliothek von 1803 bis 1809 Bücher, nach Zentnern oder Kisten gezählt, aus den Benediktinerabteien Mallersdorf, Weltenburg, Metten, Prüfening, Niederaltaich, Oberaltaich und Frauenzell sowie aus den Zisterzienserabteien von Gotteszell, Fürstenzell und Aldersbach, von den Augustinerchorherrenstiften St. Mang in Regensburg-Stadtamhof, St. Nikola in Passau (311 Bde!) und aus dem Kloster Rohr, von den Prämonstra-tensern aus Windberg und des Salvator–Klosters in Bad Griesbach und schließlich von der Kartause Prüll in Regensburg. 1806 trafen zudem 9 Kisten mit physikalischen Geräten, astronomischen Büchern und Himmelskarten ein, die heute noch vorhanden sind, sowie zwei Globen aus der Sammlung der Augustinerchorherren zu Indersdorf.
Die Provenienz des heutigen Bestandes ist großenteils ersichtlich aus den Exlibris oder Superlibros der jeweiligen Klosterbibliotheken. Durch Exlibris oder Besitzvermerk nachgewiesen ist auch die bei der Säkularisierung ca. 1000 Titel umfassende Privatbibliothek des Oberaltai-cher Gelehrten P. Hermann Scholliner.

Trotz Rückgaben, Veräußerungen und kriegsbedingter Verluste umfasst die Bibliothek heute noch insgesamt 11117 Bände; dazu kommen noch 69 Inkunabeln.
Aufgrund einer Ministerialentschließung gingen 1962 alle vor 1850 erschienenen Bestände der Bibliothek des Gymnasiums, soweit sie im Eigentum des Freistaates Bayern standen, in die Verwaltung der Staatlichen Bibliothek Passau über. Der am 20. Oktober 1962 geschlosse-ne Vertrag regelte den Verbleib der Bestände als Dauerleihgabe am heutigen Johannes-Turmair-Gymnasium. Im 1982 bezogenen Neubau des Gymnasiums erhielt die Bibliothek einen eigenen Anbau, in dem der historische Bestand in den wohl aus der Karmelitenbibliothek stammenden rokokoverzierten Büchergestellen vertragsgemäß separat von dem der älteren Gymnasialbibliothek (1850 bis ca. 1920) untergebracht ist.

Der Buchbestand

Der Bestand gliedert sich in 24 Fächer. Zur Gruppe der Inkunabeln (Y) zählen noch 69 Drucke, darunter nur zwei in deutscher Sprache, nämlich Bernhard von Breydenbachs „Reise ins Heilige Land“ (Augsburg 1488) und Hartmann Schedels „Weltchronik“ (Nürnberg 1493). Im Buchrücken von Schedels „Weltchronik“ entdeckte StD Alfons Huber im Jahre 1977 ein umfangreiches Fragment einer bisher unbekannten Heliandhandschrift (zwei beidseitig beschriebene Doppelblätter).
Die Systematik beginnt mit Allgemeiner deutscher Sprachwissenschaft (A/B). Hier finden sich Wörterbücher, Grammatiken, Lehr- und Lesebücher sowie Schriftsteller, die zumeist dem Ende des 18. Jhs und der ersten Hälfte des 19. Jhs angehören. Unter den 623 Bänden befindet sich auch die Goethe-Ausgabe letzter Hand (1827/28).
Die Sammlung der griechischen und lateinischen Klassiker (C/D) beinhaltet in 265 Bänden Originalausgaben und Übersetzungen vom frühen 16. Jh an. Bemerkenswert darunter sind die „Rhetores Graeci“ (Stuttgart u.' a: 1832-1836), das „Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae“ (Bonn 1828-1849, 50 Bde) sowie 134 Bände der „Editio Bipontina".
Die Abteilung Klassische Altertumswissenschaft. (F/G) mit 440 Bänden, die auch Alte Ge-schichte und Geographie umfasst, zeichnet sich aus durch Schulgrammatiken, Übungsbücher, Lexika sowie griechische und lateinische Stiltheorien, vornehmlich aus der zweiten Hälfte des 18. Jhs. Auffallend sind der „Thesaurus Graecarum antiquitatum“ (Venedig 1732-1737) mit den Ergänzungen (25 Bde) sowie die „(Neuen) Jahrbücher für Philologie und Pädagogik“ (Leipzig, ab 1826).
Die 328 Bände des Faches Neuere Sprachen und Literatur (H) setzen sich in erster Linie aus französischen Lehrbüchern und Grammatiken (18. Jh) zusammen, darunter eine unvollständige Voltaire-Gesamtausgabe (Basel 1784-1786, 53 Bde). Die Abteilung Orientalia (I) umfasst in 50 Bänden vor allem hebräische Bibelausgaben, Grammatiken und Lexika, dazu Text und Kommentar zum Koran von L. Marraccius (Padua 1698).
Die 282 der Abteilung Schöne Künste und Wissenschaften, Mythologie (K) zugeordneten Bände, darunter auch Schuldramen der Jesuiten, entstammen durchweg der zweiten Hälfte des 18. Jhs. Hier finden sich z. B. Schriften von Johann J. Winckelmann oder die „Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste“ (Leipzig 1765-1802, 69 Bde). Das Fach Pädagogik und Schulwesen (L) erfasst in 259 Bänden vor allem Schulgeschichte, Schriften zur Schulreform und akademische Reden, außerdem 19 Titel zum Fach Turnen.
Die Abteilung Geschichte (M) ist in bayerische (352), deutsche (503) und allgemeine (924) Profangeschichte mit insgesamt 1809 Bänden gegliedert. Vorhanden sind die maßgeblichen frühen Werke zur Geschichte Bayerns, u. a. von Aventinus, Adlzreiter, Falkenstein, die „Monumenta Boica“ (51 Bde), dazu Freimaurerliteratur und sämtliche Werke zur Geschichte der Stadt Straubing. Im Fach Allgemeine Geschichte (Mc), das vornehmlich die Geschichte der europäischen Länder und Amerikas beinhaltet, stehen umfangreiche Serien, wie M. Merians „Theatrum Europaeum“ (Frankfurt a. M. 1634 [1662]-1738, 21 Bde), die „Allgemeine Staats-Kriegs-Kirchen-Gelehrten-Chronik“ (Leipzig 1733-1754), Werke von A. Muratori zur Geschichte Italiens (45 Bde), William Guthries, „Allgemeine Weltgeschichte“ (Leipzig 1765-1795, 47 Bde) sowie die „Allgemeine Welthistorie“ (Halle 1744-1791, 45 Bde). Bei den Historischen Hilfswissenschaften (N) sind für die Fächer Chronologie, Diplomatik, Genealogie, Heraldik und Numismatik insgesamt 197 Bde verzeichnet, darunter mehrere Wappen- und Münzbücher (München 1596 und 1597).
Der Sammlung zur Geographie, Ethnographie, Anthropologie Statistik und Reisen (O) sind neben zwei Globen auch zahlreiche kolorierte, sehr wertvolle Atlanten und Kartenwerke zugeordnet. Die 622 Bände und Einzelkarten umfassen Werke von Apian, Bodenehr, Hondius, Mercator, Merian (Topographia, Frankfurt a. M., 14 Bde), Riedl, Schenk und Wening (To-pographia Bavariae, München 1701-1726). Durchgängig koloriert sind der zweibändige „Atlas Novus“ von J. B. Homann (Nürnberg o. J.), der „Atlas Germaniae Specialis“ (Nürnberg 1735), die „Tabulae Geographicae“ von T. C. Lotter (Augsburg o. J.) sowie ein Seutter-Atlas (Augsburg 1741). Alle Bände sind zusätzlich mit eingeklebten Karten unterschiedlicher Provenienz versehen.
Insgesamt 878 Bände machen die Gruppe Mathematik, Militär- und Zivilarchitektur, Kriegswissenschaft, Physik, Astronomie und Naturgeschichte (P) aus. Bemerkenswert darunter sind 5 astronomische Einzelkarten aus dem 18. Jh sowie Buffons kolorierte „Histoire naturelle“ (Zweibrücken 1785-1787, 39 Bde). Die Gruppe Botanik ist durch die Pflanzenbücher von Matthioli, Lonicer und Blackwell vertreten. Das Fach Haus- und Landwirtschaft (Q) umfasst 70 Titel, wobei durchweg gängige Autoren wie Colerus, Florinus und Krünitz (65 Bde) verzeichnet sind.
Die Disziplin Philosophie (R) zählt 314 Bände, darunter neben antiken Texten, allgemeinen Abhandlungen und Handbüchern zur Geschichte auffallend viele Ausgaben neuzeitlicher Philosophen. Vertreten sind Fichte, Hegel, Hobbes, Kant (19 Bde), Leibniz, Locke, Jacob Salat (9) und Wolff (9).
Der Bereich Theologie (S) stellt den umfangreichsten Bestand der Bibliothek mit insgesamt 2204 Bänden dar. Er umfasst Textausgaben, Übersetzungen, Lexika, theologische und historische Kommentare, Anmerkungen und Erläuterungen (295 Bde), dazu umfangreiche (latei-nisch-griechische) Ausgaben der Kirchenväter und Kirchenlehrer (240 Bde), zum größten Teil in prächtigen Foliobänden aus dem 15. bis 18. Jh. Die Abteilung Dogmatik, Konzilien, Pole-mik umfasst 315 Bde. Darunter befinden sich zahlreiche jesuitische Autoren. Recht umfangreich ist die Abteilung Moral, Kasuistik, Mystik, Pastoral, Liturgik und Hagiographie (334 Titel in 477 Bände). Besonders zahlreich sind Werke der Erbauungsliteratur und Florilegien, Handbücher für Predigt und Katechese, Offizien- und Stundenbücher, verfasst vor allem von Jesuiten, Benediktinern und Weltgeistlichen aus dem süddeutschen und österreichischen Raum. Die Kloster- und Ordensgeschichte dieses Raums belegen 142 Bände, darunter zahlreiche Abhandlungen und Flugschriften zum Mönchswesen und Ordensleben, sowie Jesuiten-schmäh- und Streitschriften.
Die juristische Literatur (T), der Rechts- und Staatswissenschaft, Staatskunde und Kirchen-recht zugeteilt sind, umfasst mit 471 Titeln (126 davon in Folio) insgesamt 774 Bände. Sie enthält vor allem Werke zum Land-, Handels-, Völker- und Kirchenrecht, Abhandlungen, Kommentare, Handbücher, Rechts-, Polizei- und Gerichtsordnungen, Kameralistik und juristische Dissertationen.
Das Fach Medizin, Chirurgie, Balneologie (U) weist 81 Titel mit 129 Bänden aus, darunter die Autoren Cardanus (9), Galenus (5), Hippokrates sowie die Abhandlungen der Pariser A-kademie (9).
Die Gruppe V umfasst mit 77 Bänden enzyklopädische Werke, Zeitschriften und Zeitungslite-ratur, u. a. die bekannten Nachschlagewerke von J. J. Hofmann, L. Hübner, Zedlers Universallexikon (Halle und Leipzig, 1732-1750) sowie das Allgemeine Real-Wörterbuch (Frankfurt a. M. 1778-1784).
In der Abteilung Literaturhistorische Werke, Bibliographie und Typographie (W) stehen zahlreiche Serien und Werke (612 Bde, 166 Titel) zur Buch-, Bibliotheks- und Literaturgeschichte wie die „Acta eruditorum“ (Leipzig 1682-1749, 35 Bde), die „Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften“ (München 1763-1776, 1778-1794), die „Bayerische Annalen“ (München 1833-1835), daneben Intelligenzblätter, gelehrte Anzeiger und gelehrte Nachrichten oder die „Litteraturzeitung“ (Halle und Leipzig 1826-1837, 24 Bde).

 

(Bibliotheksgeschichte und Bestandsübersicht nach A. Huber, Historische Bibliothek des Johannes-Turmair-Gymnasiums, in: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Bd. 13 (Bayern. S-Z), hrsg.v. E. Dünninger, Hildesheim – Zürich –New York (Olms-Weidmann) 1997, S. 52-58)

 

Dr. Hans Irler