JuTu!

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Kürbisschnitzen, Fußballspielen, Plätzchenbacken, Bowlen oder ein Grillabend im Schulgarten: Auch im Schuljahr 2016/17 kam es wieder zu regelmäßigen Treffen zwischen Oberstufenschülern des JTG und gleichaltrigen geflüchteten Jugendlichen aus Afghanistan und dem Irak. Ganz besondere Erlebnisse waren der Besuch eines Heimspiels des NawaRo-Teams, eines Spiels der Straubing Tigers, sowie eine Fahrt ins Erlebnisbad Palm Beach.
Gemeinsam Zeit verbringen und Spaß haben – das ist zunächst einmal die Motivation, sich bei JuTu zu engagieren. Darüber hinaus aber schätzen die Jugendlichen aus Afghanistan und dem Irak auch den Einblick in den Alltag deutscher Jugendlicher und die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen. Und auch die deutschen Jugendlichen machen wertvolle Erfahrungen: Sie erleben mit, wie sich die jungen Afghanen und Iraker durch Praktikums- und Lehrstellen ins deutsche Arbeitsleben integrieren, wie sie sich auf Schulabschlüsse vorbereiten, aber auch wie sie um ihren Aufenthaltsstatus bangen.
Die meisten „unserer“ Afghanen erhielten einen negativen Bescheid: Sie haben keine Anerkennung als Asylsuchende erhalten. Afghanistan wird oder wurde – das ist im Moment noch im politischen Entscheidungsprozess - vom Auswärtigen Amt als sicher eingestuft und es fanden bereits Abschiebungen von Afghanen statt. Dieses Wissen führte zu hektischen Whatsapp-Nachrichten: „Wird er jetzt abgeschoben? Das darf doch nicht sein? Kann man da nichts machen?“
Doch man kann: Die meisten Afghanen aus unserer Gruppe haben eine Lehrstelle. Während der Lehre und zwei Jahre danach dürfen sie nicht abgeschoben werden. Das klingt nicht mehr ganz so niederschmetternd. Aber: Ihr Bleiberecht ist auf Zeit und sie haben Angst. Sie erzählen, dass sie nachts nicht in ihren Wohnungen schlafen, wenn von München ein Abschiebeflieger nach Afghanistan startet.
Warum die jungen Afghanen unbedingt in Deutschland bleiben wollen und was sie an Deutschland schätzen, war auch Thema der „Demokratie Konferenz“, die am Johannes-Turmair-Gymnasium stattfand. Hier kam es im Vorfeld innerhalb unserer JuTu-Gruppe zu einem besonders intensiven Austausch: Fragen wie „Was bedeutet Freiheit für dich?“, „Was schätzt du an Deutschland?“, „Was vermisst du?“, „Was wünscht du dir für deine Heimat?“ führten uns Deutschen einen Blick von außen auf unser Land vor Augen: Freiheit und Demokratie sind eben keine Selbstverständlichkeit! Gleichzeitig wurde aber auch unser Blick auf Afghanistan geweitet, denn vielen von uns war nicht bewusst, wie unterschiedlich die einzelnen afghanischen Bevölkerungsgruppen sind und wie sehr es davon abhängt, ob man in einer großen Stadt oder auf einem Dorf aufwächst.
Ein herzlicher Dank gilt allen beteiligten Jugendlichen und dem Team von JustlandWohnen!
JuTu wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ gefördert und ist Teil der Straubinger Partnerschaften für Demokratie.

C. Lichtenegger, StRin, M. Hertenstein, StRin, Dr. H. Irler, OStR